Diestedde (mw/bb). Die Plakette mit dem Schriftzug „Unser Dorf soll schöner werden“ hängt direkt über den Köpfen des engagierten Organisations-Teams des „Plattdeutschen Krinks“ im Diestedder Backhaus. Warum „soll“? Es ist schon schön! Vor allem, weil die Einwohnerinnen und Einwohner Diesteddes ihr Nikolausdorf so aktiv mitgestalten. Der Plattdeutsche Krink als Teil des Diestedder Heimatvereins stellt das seit 30 Jahren immer wieder unter Beweis. Am Mittwochnachmittag wurde Jubiläum gefeiert: Mit einem Gläschen Sekt, einer Pulle Bier, einem großen Stück Kuchen mit ordentlich Sahne und vor allem viel Geselligkeit bei Anekdoten, Dönekes, Vertellekes und Gesang up Platt!
Die plattdeutsche Mundart ist lebendig wie eh und je: Rappelvoll ist das Fachwerkhäuschen im Herzen des Dorfes. Die Akkordeonklänge von Elke Brinkmann sind schon vor der Tür hörbar. Im Innern erwartet diejenigen, die eintreten, warme Gastfreundschaft und heißer Kaffee. Seit 1995 pflegt der Krink die alte münsterländische Sprache mit regelmäßigen Treffen.


Gertrud Prinz ist eine der Damen, die seit unzähligen Jahren die Krink-Treffen mitgestalten. Anlässlich der Jubiläumsfeier hat sie auf sie sechs handgeschriebenen Seiten die drei Dekaden umfassende Historie als Rückblick zusammengefasst: Zu lesen ist darauf, dass der Krink auf der Jahreshauptversammlung des Heimatvereins im Jahr 1995 im damaligen Saal des „Schloßhofs“ (bekannt aus den Nachrichten der letzten Tage) gegründet wurde. Das Ziel: Das Kulturgut pflegen und bewahren. Am 4. April 1995 um 20 Uhr fand das allererste Krinktreffen im damals frisch erbauten Backhaus statt. 40 Anwesende wählten Franz Niggemann zum „Baas“, sozusagen den Sprecher und Leiter der Gruppe. Unterstützt wurde er von Bernhard Eckey und Maria Brockmann.



Neun Jahre lang blieb Franz Niggemann an der Spitze des Krinks und gab das Amt dann an Gertrud Marcher ab. Gemeinsam mit Paula Jathe und Gertrud Prinz gestaltete das Dreiergespann von Diestedder Originalen dann den Plattdeutschen Krink. Unterstützung gab es ab 2011 von Edith Schaffeld als tragende Säule (Anm. d. Red. Die vier Damen wurden für ihr Engagement im Jahr 2021 mit dem MW-Award ausgezeichnet). Als Gertrud Marcher 2022 unerwartet verstarb, übernahm der heutige amtierende Baas Bernhard Streffer das Ruder bei der Mundartpflege im Backhaus. Nicht unerwähnt bleiben darf der musikalische Teil, der maßgeblicher Teil der Gemütlichkeit der Krinktreffen ist: Neben Elke Brinkmann, die aktuell mit ihrem Akkordeon und viel Spielfreude dabei ist, sorgten ehemals Heinz Wiglinghoff, Josef Henze und Helmut Wiemann für den „guten Ton“ im Backhaus.
So bunt wie die Geschichten im Krink sind auch die Unternehmungen: Zahllose Exkursionen, Winteressen, Feiern und Fahren standen in den Jahren auf dem Programm. In den Anfangszeiten gab es einen Maigang. Unvergessen sind die Winteressen bei Erika Berlinghoff (Anm. d. Red.: hier feierte der Krink auch das 25-jährige Bestehen coronabedingt im kleinen Kreise 2020). Aus den Maigängen wurden Maifahren. Und selbst Plattdeutsche Messen wurden in der benachbarten Nikolauskirche regelmäßig gefeiert. Das gesellige Miteinander findet bis heute keinen Abbruch und wird auch mit den benachbarten Krink-Gruppen in der Großgemeinde und in der Nachbarschaft gefestigt. Bei Veranstaltungen rund um das Plattdeutsche ist der Krink zur Stelle und wirkte auch am „Dialektatlas“ des Landes NRW mit. Sogar 2 CD-Aufnahmen („Doamoals in Deiste“) gibt es in münsterländischem Platt mit Stimmen aus Diestedde über vergangene Zeiten.





Die plattdeutsche Mundart hat allerdings auch ein großes Problem: Es fehlt am Nachwuchs, der die besondere Sprache am Leben erhält. Während die ältere Generation noch in Teilen mit Platt aufgewachsen ist, wird die Mundart heute kaum noch gesprochen. Anstrengungen unternimmt man dennoch: Immer wieder gab es seit 2009 Plattdeutsch-AGs an der Grundschule, unterstützt von der Rottendorf-Stiftung.
„Wir freuen uns sehr, dass der Krink nach wie vor besteht und die Sprache unserer Eltern und Großeltern am Leben erhält. Der Vorstand gratuliert dem Krink herzlich zu seinem Jubiläum und dankt besonders Gertrud Prinz und Paula Jathe, die bis heute mit großem Engagement die Krinkabende gestalten. Wünschenswert ist es natürlich, dass sich weiterhin Diestedderinnen und Diestedder für den Erhalt dieser Mundart begeistern und im Krink mitmachen, damit die Sprache unserer Heimat nicht ausstirbt“, sagt Fritz Streffer, Vorsitzender des Heimatvereins Diestedde.



Wie passend, dass neben der „Unser Dorf soll schöner werden“-Plakette auch noch ein Holzschild hängt: „Heie sittet de, wek dat seggen hät“ – frei übersetzt: hier sitzen die, die das Sagen haben. Hoffentlich noch lange die Mitglieder des Plattdeutschen Krinks in gemütlicher Runde! Glückwunsch zum 30-jährigen! So, dat war et! Und wie es am Mittwoch zusammenfassend hieß: „Wenn als gut geit un wei bleiwet gesund makt wie noch ein paar Jahre weiter!“
Kleiner Tipp für alle, die neugierig geworden sind: Plattdeutsch höern is Heimat! Eine sehr gute Gelegenheit bietet der Plattdeutsche Nachmittag des Plattdeutsch-Theater-Gruppe Liesborn, die am kommenden Sonntag (06. April 2025) von 16-18 Uhr ins Museum Abtei Liesborn einladen. Eine perfekte Gelegenheit, einfach mal reinzuhören und eine gute Zeit zu haben! Guet Goan!
Fotos/Text: Benedikt Brüggenthies
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