Wadersloh/Diestedde (mw/bb). Diestedde bekommt einen Supermarkt – nach jahrelanger Planung nimmt das Projekt nun konkrete Formen an. Am 31. März 2025 wurde das Vorhaben im Gemeinderat erstmals öffentlich vorgestellt (MW berichtete in einer Erstmeldung). Nur einen Tag später präsentierten Bürgermeister Christian Thegelkamp, die Fraktionsvorsitzenden sowie Marie Schmerling von der Wirtschaftsförderung der Gemeinde Wadersloh bei einem Pressetermin vor Ort die Eckpunkte des Projekts: Der Lebensmittel-Discounter Netto plant eine neue Filiale in zentraler Lage des Ortsteils – zwischen Langstraße und Winkelstraße auf dem Areal des ehemaligen „Schlosshofs“.
„Wir haben lange darauf hingearbeitet“, erklärte Bürgermeister Christian Thegelkamp zu Beginn seiner Ausführungen. Schon 2020 begannen die ersten Gespräche mit möglichen Investoren, mussten jedoch zwischenzeitlich pausieren. Seit 2022 wurden die Verhandlungen mit der Wirtschaftsförderung, Netto und den Planungsbüros wieder intensiviert – mit Erfolg: Insbesondere Marie Schmerling, Wirtschaftsförderin der Gemeinde Wadersloh, spielte in den vergangenen zwei Jahren eine tragende Rolle bei der Wiederaufnahme und Koordination der Gespräche. Die Gemeinde sieht in dem Vorhaben eine städtebaulich sinnvolle Antwort auf infrastrukturelle Bedürfnisse vor Ort. Auch wenn die Tinte noch nicht unter dem Vertrag sei, betonte der Bürgermeister, sei die Ansiedlung ein großer Schritt für die Nahversorgung in Diestedde.
Das geplante Marktgelände umfasst rund 7.000 Quadratmeter. Davon sollen 5.000 Quadratmeter für den Bau des Marktes genutzt werden – inklusive Verkaufsfläche, Lager- und Personalräumen sowie Parkmöglichkeiten für Autos und Fahrräder. Die verbleibenden 2.000 Quadratmeter bleiben zunächst in Gemeindehand und sollen der Verkehrsführung und Infrastruktur dienen.
Zentraler Bestandteil des Vorhabens ist der Abriss des Gebäudes „Schlosshof“, das die Gemeinde 2015 erworben hatte. In dem Bau aus den 1960er Jahren waren über die Jahre ein Hotel, Gastronomie, mehrere Geschäfte und ein Treffpunkt für Geflüchtete untergebracht. Aktuell hat die Großtagespflege „Schlossmäuse“ hier ihr Zuhauase. Hier versprach Thegelkamp eine Lösung: „Kein Schlossmäuschen wird unversorgt bleiben.“
Das neue Marktgebäude soll sich entlang der Langen Straße/Am Schloss orientieren und dabei die Sichtachse zum Schloss Crassenstein erhalten, die 2008 vom Heimatverein angelegt wurde. Die Lage gilt als optimal: In direkter Nachbarschaft befinden sich Kindertagesstätte, Grundschule, Nikolauskirche, Schloss, Seniorenheim und der Naturpark Hangkamp. Ein Vorteil, nicht nur für die rund 2.500 bis 3.000 Einwohnerinnen und Einwohner Diesteddes, sondern auch für umliegende Ortsteile wie Sünninghausen und sogar Vellern. „Gerade für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist die Nahversorgung vor Ort ein wichtiges Thema“, so der Bürgermeister. Eine Abwanderung von Kundschaft aus anderen Gemeindeteilen befürchtet er nicht.
Geplant ist eine Bauzeit von etwa 16 Monaten ab Spatenstich, der jedoch bisher nicht terminiert ist. Aktuell werden vorbereitende Schritte zur Bauleitplanung vorgenommen. Auch hier koordiniert die Wirtschaftsförderung gemeinsam mit der Verwaltung die weiteren Prozesse. Gespräche mit örtlichen Bäckereien und Einzelhandel sind angedacht, um eine mögliche Beteiligung an der neuen Filiale auszuloten.
Für die gesamte Gemeinde Wadersloh bedeutet das Projekt nicht nur die Rückkehr eines Nahversorgers nach Diestedde und somit die Schließung einer Versorgungslücke, sondern auch eine städtebauliche Aufwertung des zentralen Ortsbildes rund um den „Schlosshof“. Thegelkamp sieht darin auch eine „Chance für die politische Gemeinde“ – ein Stück Zukunft für den Ort.
Netto kommt nach Diestedde: Stimmen aus der Politik und der Gemeindeverwaltung
Bei der Vorstellung des Projekts vor Ort herrschte parteiübergreifend große Einigkeit über die Bedeutung der Netto-Ansiedlung – sowohl für Diestedde als auch für die Gesamtgemeinde.





Bürgermeister Christian Thegelkamp betonte die strukturelle Relevanz des Vorhabens: „Wir freuen uns sehr über diese Entwicklung für den Ortsteil Diestedde, aber auch für die gesamte Gemeinde. Es ist ja so, dass wir das Areal hier am Schlosshof damit ein Stück weit aufräumen, auch Städtebau noch mal betreiben können. Aber auch für die Diestedder, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, für die Menschen, die nicht mehr so viel Mobilität haben – und dazu wird man irgendwann auch selbst gehören – gehört es, dass man sich auch vor Ort verpflegen kann mit Nahrungsmitteln.“
„Jetzt hat Netto gesagt, wir wollen starten, wenngleich, und das möchte ich deutlich sagen, die Unterschriften unter den Kaufverträgen noch nicht drunter sind. […] Die endgültige Tinte ist eben noch nicht runter. Aber wir freuen uns„, so Thegelkamp weiter. Zur Standortwahl sagte er: „Am Ende ist es auf dieses Grundstück herausgelaufen. […] Wir glauben schon, dass das ein richtiger Mehrwert für Diestedde ist.“
Oliver Weinekötter (FDP) sagte: „Ich bin sehr erfreut, gerade als Diestedder. Wir haben seit 2016 keinen Lebensmittelmarkt mehr. Die Nahversorgung wird notdürftig noch versorgt über die Bäckereien. Und für uns ist das ein wirklicher Fortschritt. […] Grundsätzlich sehen wir das aber trotzdem positiv, dass hier endlich ein Lebensmittelmarkt hinkommt und dass die Leute hier auch wieder vor Ort einkaufen können.“
Anne Claßen (SPD) blickte auf frühere Eigeninitiativen zurück: „Wir haben im Jahr 2016 […] schon mal einen Versuch unternommen. […] Das hat leider nicht geklappt. […] Umso schöner ist es, dass wir jetzt hier jemanden haben, der es professionell macht und der die Leute hier in Diestedde versorgen kann.“
Heino Teckentrup (FWG) begrüßte die Planungssicherheit und lobte das lokale Engagement: „Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass jetzt endlich Ross und Reiter genannt wurde. […] Es haben viele dort mitgewirkt, Bürgerinnen und Bürger haben mitgewirkt, im Projekt ‚Beweg was!‘.“ Er lobte besonders den Einsatz des vorhandenen Einzelhandels: „Die Bäckereien, die Cafés, die Tankstelle […] haben viel gemacht, um die Diestedder mit ihren notdürftigen Sachen zu versorgen.“ Ein optimistischer Blick in die Zukunft: „Deswegen sind wir eigentlich frohen Mutes und hoffen, dass das Projekt dann auch jetzt umgesetzt wird.“
Rudi Luster-Haggeney (CDU) sah einen lang ersehnten Wunsch erfüllt: „Ein Dorf lebt einfach davon, dass die Nahversorgung vor Ort geregelt werden kann. […] Wir freuen uns total, dass das jetzt vermutlich klappt. […] Herzlichen Glückwunsch, Diestedde, für diesen Nettomarkt.“
Die kompletten Statements im Videobeitrag [MW-EXKLUSIV]
Zusammenfassung
- Die Gemeinde Wadersloh plant gemeinsam mit „Netto“ die Errichtung eines Supermarktes in Diestedde auf dem Gelände des ehemaligen „Schlosshofs“ an der Langen Straße.
- Bürgermeister Thegelkamp und die Fraktionsspitzen begrüßen das Projekt parteiübergreifend als wichtigen Beitrag zur Nahversorgung und Dorfentwicklung von Diestedde.
- Das Areal umfasst rund 7.000 m², wovon 5.000 m² für den Neubau samt Parkplätzen vorgesehen sind.
- Wirtschaftsförderin Marie Schmerling koordinierte maßgeblich die Gespräche mit „Netto“ und begleitet die weitere Planung weiterhin.
- Das Projekt stärkt die Lebensqualität vor Ort – besonders für weniger mobile Bürgerinnen und Bürger – und wird als städtebauliche Aufwertung gesehen.
Foto/Video/Interviews/Bearbeitung: B. Brüggenthies