Wadersloh (mw/bb). Es ist der sichtbare Ausdruck der Solidarität und Toleranz in der Corona-Zeit und zugleich ein Mahnmal für den Frieden: Das „Schlüsselprojekt“ nach einer Idee des Waderslohers Ernst Reineke nahm in der Lockdown-Zeit Schlüssel für Schlüssel Gestalt an. Nun wurde die Gedenkstele am Wanderrundweg am Gewerbegebiet Centraliapark als Ort der Erinnerung offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Dorf-Kultur-Leben: Mein-Wadersloh.de war als Medienvertreter exklusiv vor Ort.
Ernst Reineke setzt sich seit Jahren für sein Dorf ein. Als Gästeführer oder Mit-Initiator der Orgel-Führungen für Kinder oder als kunst- und kulturinteressierter Heimatfreund ist der Wadersloher aktiv. Auch in der Zeit des „Lockdowns“ – der kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie weitreichende Einschränkungen für das öffentliche Leben mit sich brachte, überlegte Reineke, wie er die Dorfgemeinschaft stärken kann. Das hohe Maß an Solidarität untereinander überwältigte ihn. Er wollte ein Gemeinschaftsprojekt auf den Weg bringen, das diese Momente der gegenseitigen Rücksichtnahme widerspiegelt: Die Idee für das „Schlüsselprojekt“ war geboren. In der Folgezeit schlossen sich immer mehr Mitstreiter dem Vorhaben an. Der Heimatverein Wadersloh unterstützte bei der Sammlung von rund 1.600 Schlüsseln. Handwerklich unterstützten Günter Wachsmann, Winfried Schlieper und Martin Aufenvenne das Vorhaben.








Als Gedenkstätte für die Corona-Pandemie und als Ort der Ruhe ist ein Baum (Apfeldorn) von einem Oktagon umgeben. Auf diesem finden sich die arrangierten Schlüssel und auch eine Friedenstaube, denn angesichts des Krieges in Osteuropa fand auch dieses Symbol seinen Weg in das „Schlüsselprojekt“. „Eine ähnliche Installation findet sich in Guernica. Der spanische Ort wurde im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen zerstört und inspirierte Picasso zu seinem Gemälde mit demselben Namen. Guernica ist ähnlich groß wie Wadersloh und hatte einen historischen Sammelpunkt unter einer Eiche, so wie Diestedde. Die Friedenstaube ist ein bekanntes Motiv Picassos und so gibt es mehrere Parallelen“, freute sich Ernst Reineke über das Ergebnis der langjährigen Planungsphase. Der Baum soll über die Jahre als Zeichen der Hoffnung wachsen und sein Grün als Zeichen der Hoffnung zum Innehalten animieren. Angesichts der 35 Todesopfer alleine in der Gemeinde Wadersloh ist das „Schlüsselprojekt“ aber nicht nur ein Zeugnis des starken und nachhaltigen bürgerlichen Engagements und Zusammenhalts, sondern auch ein Gedenkort für all diejenigen, die in der Corona-Zeit einen geliebten Menschen verloren haben.
Einen großen Anteil an dem Projekt hatte auch die Gemeinde Wadersloh und der Bauhof, sowie die politischen Fraktionen. Letztere hatten die Realisierung und die Aufstellung erst möglich gemacht. Ein besonderer Dank gilt nicht zuletzt aber auch denen, die einen Beitrag in Form eines Schlüssels leisteten und somit die Projektidee von Ernst Reineke bestärkten. Für den Heimatverein Wadersloh sprach Winfried Schlieper einige bewegende Worte: „Ein Schlüssel, der die Welt veränderte. Der kleine Virus mit der unregelmäßigen Oberfläche wie ein Schlüsselbart hat die Welt verändert und unglaubliche Ängste und Elend ausgelöst. Ein Schlüssel, der andererseits auch vorher nicht bekannte Solidarität ausgelöst hat, wie Gesang und Musik von Balkonen in aller Welt“, erinnerte Schlieper an die Zeit ab Frühjahr 2020. Die Symbolik umspannt die Grundform eines Achtecks, deren Motiv in vielen Religionen zu finden ist. Der Apfeldorn als Vierjahreszeiten-Gehölz böte das ganze Jahr etwas und sei auch von ökologischem Wert. Die Taube als Symbol des Friedens in der Welt und der Dorfgemeinschaft und Zeichen für Aufbruch und Hoffnung. Die Kirche mit Herz als Symbol für den Heimatverein und die Gemeinschaft und als Gebäude das Zentrum der Dörfer und als Symbol für Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme.
Die Corona-Pandemie ist vorerst fast überwunden. Am Centraliapark wird das „Schlüsselprojekt“ auch künftig in Demut an diese schwere Zeit erinnern, Trost spenden und „Danke“ sagen an die Menschen, die aufopferungsvoll zur Bewältigung der Krise beigetragen haben.
Fotos/Text: B. Brüggenthies