Liesborn (mw/bb). Afrika – so weit und doch so nah! Zumindest, wenn man es bis November ins Museum Abtei Liesborn schafft. Mit „Spirit Afrika“ wartet dort ab dem kommenden Sonntag Gegenwartskunst aus sechs afrikanischen Ländern darauf, entdeckt zu werden. In einer Pressevorschau gab Kuratorin Angelika Sommer (Berlin) einen ersten Einblick in eine faszinierende (Kunst-) Welt.
Malerei, Skulpturen, Objekte und Fotografien aus der Sammlung „Kunst Transit“ (Berlin) haben Angelika Sommer und Michael Drechsler zusammengetragen und gemeinsam mit dem Team des Museums Abtei Liesborn zu einem Gesamtwerk zusammengefasst, das Grenzen überschreitet, Brücken baut und einen offenen Dialog zwischen den Kulturen ermöglichen soll. Wenn man die Ausstellung betritt, wird man von einer orangen Wand begrüßt und von der afrikanischen Kultur mit offenen Armen empfangen. So wie die europäische Kultur ist auch die afrikanische vielschichtig. Daher sollte man etwas eingrenzen: Es handelt sich um Exponate aus sechs afrikanischen Ländern, die alle eine völlig unterschiedliche Kulturgeschichte aufweisen. Vielen haben einen Kolonialismus-Hintergrund und sind erst seit den 1960er-Jahren unabhängig. Die wechselvolle Geschichte des afrikanischen Kontinents und das Befreien von Fesseln findet sich auch in den Werken der 15 ausgestellten Künstler wieder. Die Werke sind aber weitaus mehr: Sie sind in ihrer Gestaltung Zeitzeugen einer lebendigen Gesellschaft. Der Geist Afrikas atmet in jedem Gemälde und jeder Skulptur.

Für die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Jutta Desel wurde mit der Ausstellung ein Herzenswunsch war, wie sie bei der Pressepreview verriet. Eine Ausstellung wie diese erwartet man eher in Großstädten. Doch was könnte passender sein, als der ländliche Raum? Die Überschneidungen sind schließlich groß. So haben auch die zwei historischen Klostertüren Einzug in die Ausstellung gehalten und umrahmen eine afrikanische Holztür vor der knalligen orangen Wandfarbe, die den Geist Afrikas in den gesamten Raum spürbar werden lässt. Jedes Exponat erzählt eine faszinierende Geschichte und sprengt die Grenzen zwischen den Kontinenten. Ein tiefer Einblick in die Seele des afrikanischen Kontinents macht „Spirit Afrika“ zu einem Erlebnis für die Sinne. Die Ausstellung trifft einen Nerv und berührt emotional.
Mit voller Begeisterung erläutert Angelika Sommer die Intentionen der 14 Künstler und der Künstlerin. Viele stammen aus anderen Berufen und haben die Liebe zur Kunst erst später für sich entdeckt. Ein Eisenschmied, ein Philosoph, ein Tänzer. Sie alle bringen die Essenz ihrer Heimat Afrika in figürliche Gestalt, interpretieren Begebenheiten neu, verewigen die Fesseln der Kolonialzeit als Mahnmal in ihren Werken, sie sprengen die sprichwörtlichen Fesseln und entfachen ein Feuer des Lebens. Der Geist Afrikas wird in der Ausstellung in allen 50 Exponaten lebendig. Im Hintergrund schwingt dabei auch immer der Dialoggedanke mit. Michael Drechsler war seit den 1970ern als Reisender in Afrika unterwegs und brachte Fotografien mit, die den Alltag in den afrikanischen Ländern zeigen. Biblische Geschichten aus Kenia, spirituelle Neuinterpretationen, der Geister- und Naturglaube, die schmerzhaften Spuren des Kolonialismus in Tansania, Skulpturen aus Simbabwe. Die Künstler*innen haben sich selbst befreit und interpretieren mithilfe der Kunst Afrika als lebendigen und bunten Kontinent, der mit seiner Schönheit, Musik und Tanz Brücken zu anderen Kulturen baut. In einem kleinen Ausstellungsraum im Münsterland erwacht ein großer Kontinent mit bewegter Geschichte zum Leben.
Wer neugierig geworden ist:
Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 19. September 2021 um 15 Uhr im Museum Abtei Liesborn. Die Begrüßungsworte spricht Dr. Sebastian Steinbach. Kuratorin Angelika Sommer gibt eine Einführung. Musikalisch wird die Eröffnung von der Gruppe „Afrokalypse“ (Musik) begleitet.
Fotos/Text: mw/bb.