Es war einmal ein Musikverein mit zwei Untergruppen, der ein außergewöhnliches Experiment wagte und eine ganze Großgemeinde verzauberte. Ein Musikmärchen nahm seinen Lauf! Eine nahezu perfekte Symbiose von Blasmusik und Chorgesang mit unzähligen Gänsehautmomenten erlebte das Publikum am Wochenende bei den zwei Konzertvorstellungen des Musikvereins Musikus in Wadersloh und Diestedde. Lange hatten die Organisatoren das Großprojekt geheim gehalten. Ein Geheimtipp ist die musikalische Qualität vom Blasorchester Diestedde unter dem Dirigat von Verena Steinbrink und Elena Borkenhagen und dem Mehr-Generationen-Chor unter Leitung von Raúl Huesca Valverde spätestens nach diesem Wochenende definitiv nicht mehr.

Zwei Vorstellungen – Zwei Mal restlos ausverkauft und das Beste aus zwei Welten: Vorhang auf für ein gewagtes Musikexperiment voller Magie. Der Musikusvorsitzende Norbert Göbel strahlte über das ganze Gesicht. Was für ein Wochenende dürfte er sich gedacht haben. Er selbst war mittendrin und erlebte hautnah, wie sich die beiden Musikusgruppen gegenseitig immer wieder aufs Neue übertrafen. Instrumentalstücke – mal weltlich, mal kirchlich, Chorgesang. Dann beides zusammen. Soli, die sogar einer Gänsehaut noch eine Gänsehaut bescherten. Leise Töne, hohe Töne. Eine Prise Humor – ganz viel Dramatik! Die magischen Musikmomente waren nicht nur Momente, denn die Magie war 90 Minuten plus Zugaben lang zu spüren. Die standing ovations und lauten Zugabe-Rufe bestätigen schnell den Eindruck, dass das hier keine Eintagskonzertfliegen waren und man sich in Zukunft wohl hoffentlich auf viele weitere Gemeinschaftskonzerte made in Diestedde freuen darf.

Was für ein Clou, schon zu Beginn das „Te Deum Prelude“ (Musik: M. A. Charpentier, Arr.: Philip Sparke) spielen zu lassen. Das auch als „Eurovisionshymne“ bekannte Stück versprach schon zu Beginn, das hier etwas Großes passieren wird. In der der Aula der Geschwister-Scholl-Realschule und in der St.-Nikolaus-Kirche beim Heimspiel legten sich das Blasorchester Diestedde und der Mehr-Generationen-Chor außerordentlich ins Zeug! Gesanglich und instrumental steigerten sich beide Gruppierungen immer wieder aufs Neue. „I will follow him“ aus dem Film „Sister Act“ klang mit Solistin Anja David nie lebendiger, die „Forrest Gump Suite“ nie melancholisch-schöner. Ein Höhepunkt beider Konzertabend war die Gospel Mass (Text und Musik: Jacob de Haan). Mit dem „Kyrie“, „Benedictus“ und „Agnus Dei“ gab es zugleich die Premiere für das Zusammenspiel von Chor und Orchester! Gefühlt bebten Aula und Kirche in diesen Momenten. Die Konzertmagie entfaltete sich spätestens jetzt und zeigte das ganze Potential des Gemeinschaftsauftritts auf. Chorleiter Raúl Huesca, gerade einmal 21 Jahre jung, setzte noch einen oben drauf und interpretierte als Tenor gemeinsam mit seinen Freunden Jakob Heimbach (Bariton) und Claus Renzelmann (Bass) „S’wonderful“ aus „An American in Paris“. Die drei Rosenkavaliere hätten an den beiden Abenden gar keine Rosen gebraucht um die Herzen einer Frau zu brechen (obwohl es in diesem Fall genau anders herum geschah). Zuvor hatte bereits Solistin Christina Risse (Sopran) mit ihrem Solo von „You raise me up“ die Herzen des Publikums zum Schmelzen gebracht.
Beim großen Finale durften die ganz großen Töne nicht fehlen: Die stimmungsvollen Arrangements aus den erfolgreichen und oscarprämierten Disney-Filmen „Frozen“ und „Aladdin“ packten noch einmal eine musikalische Schippe Gefühl oben drauf! Vor allem Claus Renzelmanns Solo in „Aladdin“ dürfte den Konzertbesuchern noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Wenn die beteiligten Akteure nicht zu ihren Familien zurück gemusst hätten, würden sie wohl jetzt noch spielen. An beiden Abenden wollte man die Sängerinnen, Sänger und Instrumentalisten erst nach zwei Zugaben gehen lassen.
Konzertkritik/Fotos: Benedikt Brüggenthies
Bildergalerien von den Gemeinschaftskonzerten „Magische Musikus-Momente“ (MW+)
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